Research

Protecting Animals Within and Across Borders: Extraterritorial Jurisdiction and the Challenges of Globalization (Oxford University Press 2019)

Extraterritorial jurisdiction stands at the juncture of international law and animal law and promises to open a path to understanding and resolving the global problems that challenge the core of animal law. As corporations have relocated and the animal industry (agriculture, medical research, entertainment, etc.) has dispersed its production facilities across the territories of multiple states, regulatory gaps and fears of a race to the bottom have become a pressing issue of global policy. This book provides enough background to allow readers to understand why extraterritorial jurisdiction must respond to these developments, counters objections that readers might raise, and describes how to improve animal law in tandem. The heart of the work is a fully-fledged catalogue of options for extraterritorial jurisdiction, which states can employ to strengthen their animal laws. The book offers top-down perspectives drawn from general international law and trade law, and complements them by a bottom-up up view from the perspective of animal law. The approach connects the law of jurisdiction to substantive law and opens up deeper questions about moral directionality, state and corporate duties owed animals, and the comparative advantages of constitutional, criminal, and administrative animal law. To ensure that extraterritorial animal law does not become complicit in oppressing ethnic and cultural minorities, the book offers critical interdisciplinary perspectives, informed by posthumanist and postcolonialist discourse. Readers will further learn when and how extraterritorial jurisdiction violates international law, and the consequences of exercising it illegally under international law. This work answers questions about how and why extraterritorial jurisdiction can overcome the steepest hurdles for animal law and help move us toward a just global interspecies community.

 

Tying Legal Worth of Animals to Sentience: Promises and Pitfalls of Cognitive Biases, Journal of Animal Ethics (forthcoming 2019)

Animal law, in order to effectively protect non-human animals, needs to overcome an incredible number of hurdles. Determining that animals must be protected by law because and to the extent that they are sentient seems to nullify all and any attempts to deny them legal protection simply because they are not sufficiently appealing, emotionally close, or economically useful to us. However, the assumption that the legal recognition of animal sentience helps eradicate our cognitive biases towards animals is treacherous. This article offers an in-depth analysis of the role and utility of the legal recognition of animal sentience, and points to its promises and pitfalls.

 

Swiss Court Rules Citizens Allowed to Vote on Primate Rights, blog post for the Nonhuman Rights Project (NhRP), Mar. 22, 2019 (together with Raffael Fasel)

In June 2016, Sentience Politics launched a citizens’ initiative in the Swiss canton of Basel-Stadt with the aim of granting nonhuman primates constitutional rights to life and bodily and mental integrity, which we wrote about in an earlier post for the NhRP blog.

Switzerland is a federal state like the US and has a total of 26 “cantons”—the Swiss equivalent of a US state. As is common in some US states, the Swiss cantons provide their citizens with direct democratic tools to participate in the legislative process, giving them, for example, the possibility to propose amendments to the cantonal constitution by way of a citizens’ initiative.

In our last post, we wrote about how, after supporters of the primate initiative were able to collect the necessary signatures, the Cantonal Parliament, based on a report by the Cantonal Executive, declared the initiative invalid in January of 2018 mainly on two grounds. First, the initiative would contravene the Swiss Federal Civil Code, which, according to the Executive, determines conclusively that nonhuman animals do not qualify as legal persons (with rights) under Swiss law. Second, the initiative would require the Canton to enact new laws on animal welfare, an area where the federal government enjoys exclusive jurisdiction.

Supporters of the initiative appealed the Parliament’s decision at the Cantonal Constitutional Court, asking it to validate the initiative. On January 15, 2019, in a detailed and highly anticipated decision, the Cantonal Constitutional Court ruled that the primate rights initiative is valid and must be submitted to the people of Basel-Stadt for a vote, paving the way for the first ever direct-democratic vote on whether some nonhuman animals should be granted the fundamental rights to life and bodily and mental integrity.

 

Wildtiere im Umwelt- und Tierschutzrecht: Zwischen Skylla und Charybdis? 1 Zeitschrift für Kritische Tierstudien 9-36 (2018) (peer-reviewed)

Das Tierschutzrecht ist ein aufstrebendes Rechtsgebiet, nicht nur im anglo-amerikanischen Rechtsraum, sondern weltweit. Der Fokus des Tierschutzrechts und der tierschutzrechtlichen Wissenschaft liegt auf „Heim- und Versuchstieren“ und vermehrt – jedoch immer noch marginal – auf „Nutztieren“. Im Vergleich dazu ist die Frage der Stellung der Wildtiere, also all jener Tiere, die nicht domestiziert sind, jedoch peripher. Man könnte einwenden, das Recht schere sich sehr wohl um Wildtiere, namentlich durch Maßnahmen zur Arterhaltung. Der Artenschutz als Domäne des Umweltrechts schützt jedoch einzig Tiergruppen als Kollektiv, nicht das Tier als Individuum. Auf den ersten Blick mag diese Unterscheidung lediglich semantischer Natur sein – so scheinen doch beide Ansätze die Tiere unter rechtlichen Schutz zu stellen, doch hat sie weitreichende Konsequenzen: Bildet der Schutz des individuellen Tieres bloß eine Reflexwirkung kraft Gruppenzugehörigkeit, kann ein Tier im Einzelfall zum anonymen Mitglied dieser Gruppe werden, dem rechtlich weder Lebensschutz, noch Schutz vor Qualen und Schmerzen zukommt. Zwischen Tierethikerinnen und Tierethikern auf der einen Seite, welche effektiveren Schutz empfindungsfähiger Wildtiere als Individuen fordern, und Umweltethikerinnen und Umweltethikern auf der anderen Seite, für welche der Schutz von Wildtieren als Kollektiv im Vordergrund steht, haben sich die Fronten aufgrund dieser unterschiedlichen Schutzkonzepte seit den 1980er Jahren verhärtet.

Der vorliegende Beitrag will den Rechtswissenschaften die in diesem Zusammenhang geführten philosophischen Debatten an der Schnittstelle zwischen Ökologie, Tierschutz und Tierrecht zugänglich machen. Auf dieser Grundlage wird die Frage gestellt, ob das geltende Umwelt- und Tierschutzrecht die Wildtiere angemessen schützt. In einem ersten Schritt führt der Artikel die Leserinnen und Leser in die täglichen Nöte der Wildtiere ein, um der vorherrschenden Romantisierung ihres Lebens in freier Wildbahn zu begegnen. Als Instrument heuristischer Methodik nehme ich dabei vornehmlich die Perspektive einzelner Tiere ein. Im Anschluss wird der bestehende Schutzumfang des Umwelt- und Tierschutzrechts für Wildtiere erarbeitet und auf deren Berührungs- und Konfliktpunkte sowie den Bedarf für stringentere Regelungen hingewiesen. Der vorliegende Beitrag kann dieses weitläufige Thema nur in seinen Grundzügen behandeln und beschränkt die rechtliche Analyse schwergewichtig auf die Schweiz, bedient sich aber rechtsvergleichender Analysen des norwegischen und litauischen Rechts, um tragfähigere Lösungen zu erarbeiten.

 

Animal Personality im Tierschutzrecht, Internationale Gesellschaft für Nutztierhaltung (IGN) Nutztierhaltung im Fokus: Animal Personality – Persönlichkeit bei Nutztieren 46-51 (2018) (peer reviewed) (together with Vanessa Gerritsen)

Mit wenigen Ausnahmen ist das moderne Tierschutzrecht im deutschsprachigen Europaraum ein vergleichsweise junges Rechtsgebiet und hat erst in jüngsten Jahren eine vertiefte Auseinandersetzung in den vorherrschenden gesellschaftlichen und parlamentarischen Debatten erfahren. Gerade aufgrund seiner jüngeren Historie orientiert sich das Tierschutzrecht stark an den ihm angegliederten Disziplinen, wie etwa die Anthropologie, die Neurobiologie oder auch die Verhaltensbiologie (Pedersen, 2014, 13). Axiomatischer Ansatz des modernen Tierschutzrechts bildet stets das Konzept „animal welfare“ – das Wohlergehen resp. Wohlbefinden der Tiere. Traditionell wurde bislang davon ausgegangen, dass das Wohlbefinden von Tieren mittels spezies-spezifischer Normwerte griffig definiert und evaluiert werden kann. So legt beispielweise das Schweizer Tierschutzrecht fest, dass Schweine sich jederzeit mit Stroh, Raufutter oder anderem gleichwertigem Material beschäftigen können müssen (Art. 44 TSchV). Verhaltensbiologische Erkenntnisse jüngerer Zeit legen nahe, dass solche standardisierten Parameter trotz ihrer augenscheinlichen Praktikabilität zu kurz greifen und dem Wohlergehen von Tieren nicht angemessen zu entsprechen vermögen. Als neues Forschungsaxiom wird vorgeschlagen, dass die Persönlichkeit von Tieren, also die korrelierte Menge individueller Verhaltens- und physiologischer Merkmale, die über Zeit und Situationen konsistent sind (Finkemeier et al., 2018, 2), richtungsweisend sein soll für ein Urteil über das Vorhandensein, die Abwesenheit, oder den Grad an Wohlbefinden, die Tiere erleben. Im Bereich der Nutztiere etwa wird argumentiert, dass Persönlichkeit und Bewältigungsstrategien bei Tieren eng miteinander zusammenhängen (Finkemeier et al., 2018, 6). Entsprechend stark ist das Wohlbefinden eines Nutztieres nicht etwa nur von ihrem oder seinem tatsächlichen Gesundheitszustand beeinflusst, sondern auch von ihrem oder seinem individuellen Verhalten und Physiologie (Finkemeier et al., 2018, 9; Dawkins, 1998). Folglich müsste der Schweizer Gesetzgeber einem Schwein, die oder der besonders explorativ, interessiert und aktiv ist, weitaus mehr Möglichkeit zur Investigation und Beschäftigung zur Verfügung stellen als jene, die Art. 44 TSchV vorschreibt. Dieser Beitrag untersucht die Notwendigkeit und Vorteile, diesen Ansatz in die Rechtswissenschaften zu übersetzen, und setzt sich aufgrund der vorherrschenden Zwecke der Vermarktbarmachung des Tieres kritisch mit den Vorschlägen zur Tierpersönlichkeit auseinander.

 

Animal Spa – die Geschichten des Tieranwalts, 40 Natur und Recht 540 (2018)

Beinahe alle Wissenschaftler der Animal Studies sehen sich selbst als „Vertreter der Tiere.“ Kaum jemand wird diesem Anspruch aber so gerecht wie Antoine Goetschel. Weltweit einzigartig vertrat er während drei Jahren die Interessen von über 700 Tieren als „Rechtsanwalt für Tierschutz in Strafsachen“ im Kanton Zürich. Das abrupte Aus für das Amt des Tieranwalts im Jahre 2010 in Folge diverser Anpassungen an die neue eidgenössische Strafprozessordnung hinterliess eine klaffende Lücke. In „Animal Spa“ gewährt uns der Autor seinen persönlichen Blick auf das Schweizer Tierschutzrecht, das Institut des Tieranwalts und den Vollzug der Tierschutzgesetzgebung im Straf- und Verwaltungsrecht.

 

Tieranwalt revisited (review), 14 Tierstudien 170-172 (2018) (peer reviewed)

Weltweit einzigartig vertrat Antoine Goetschel während drei Jahren die Interessen von über 700 Tieren als „Rechtsanwalt für Tierschutz in Strafsachen“ im Kanton Zürich. Das abrupte Aus für das Amt des Tieranwalts im Jahre 2010 in Folge diverser Anpassungen an die neue eidgenössische Strafprozessordnung hinterliess eine klaffende Lücke. In Animal Spa gewährt uns der Autor seinen persönlichen Blick auf das Schweizer Tierschutzrecht, das Institut des Tieranwalts und den Vollzug der Tierschutzgesetzgebung im Straf- und Verwaltungsrecht.

 

The Swiss Citizens’ Initiative for Primate Rights Goes to Court, blog post for the Nonhuman Rights Project (NhRP), Apr. 2, 2018 (together with Raffael Fasel, Meret Schneider & Sophie Kwass)

The Swiss like to praise themselves for having one of the strictest animal welfare acts worldwide. This praise is not entirely without merit: Switzerland has indeed played a pioneering role in global animal law in a number of respects and ranks among the most progressive countries in the World Animal Protection Index. In 1992, for example, it became the first country to ban battery cages and the first to provide constitutional protection for the dignity of nonhuman animals. Just recently, Switzerland took the lead in banning the killing of lobsters without prior stunning, effectively leading to a ban on boiling lobsters alive.

Even the most advanced norms of Swiss animal welfare law, however, are indistinguishable from the welfare laws of other countries in one crucial regard: they leave untouched the assumption that nonhuman animals are here for us to use. This holds true even for those nonhuman animals who are autonomous agents with a sense of self and an ability to remember the past and to plan the future—which is increasingly becoming a matter of public debate. In a joint report from 2008, the Federal Ethics Committee on Non-Human Biotechnology and the Federal Ethics Committee on Animal Experimentation criticized this state of affairs in light of the requirements of the animal dignity provision in Article 120(2) of the Swiss Federal Constitution. In particular, the committees suggested that nonhuman primates might require protection of their interests that goes beyond that provided by the current Animal Welfare Act.

Responding to this need for the protection of primates’ most vital interests, the not-for-profit Sentience Politics launched a citizens’ initiative in the Canton of Basel-Stadt to amend the Cantonal Constitution (which is the equivalent of the constitution of a U.S. state). The initiative specifically demands that the existing rights catalogue in the Constitution be complemented by a fundamental right to life and to bodily and mental integrity for nonhuman primates—in other words, not to be killed, held in captivity, or experimented on. In this blog post, the drafters of this initiative—Raffael Fasel, Charlotte Blattner, Meret Schneider, and Sophie Kwass—provide an account of the initiative’s goals, where it stands right now, and what is going to happen next.

Rethinking the 3Rs: From Whitewashing to Rights, in Animal Experimentation: Working Towards a Paradigm Change (Kathrin Herrmann & Kimberley Jayne eds., Brill Human-Animal-Studies Series, 2019)

Few other issues have prompted as many legislators to adopt legal instruction on the “proper” use of non-human animals as non-human animal research. Today, the 3Rs (replacement, reduction and refinement of non-human animals in scientific procedures) are globally accepted by a vast majority of states (Blattner, 2014) and prominent international organizations, such as the World Organization for Animal Health (Article 7.1.2.3, Terrestrial Code, 2016), and the Council of Europe (CoE) (Articles 6.2, 7, 8, Convention for the Protection of Vertebrate Animals Used for Experimental and Other Scientific Purposes, 1986). Widespread acceptance of the 3Rs is a notable achievement, since animal law is a relatively young field of law and societal attitudes about the human-animal relationship diverge sharply.

As progressive as this consensus appears, the law governing non-human animals in research – especially the 3R maxim that dominates this legal landscape – suffers from regulatory failure. First, although refinement seeks to ameliorate the conditions of non-human animals used for a research procedure, it fails to fulfil their basic welfare needs. For instance, pursuant to the US National Research Council Guide, a pig who weighs up to 50kg can be housed for up to five years on 15 square feet (0.9 m2), without any access to the outside. The Guide states that thereby “animals can turn around and move freely without touching food or water troughs, have ready access to food and water, and have sufficient space to comfortably rest away from areas soiled by urine and feces” (p.63, US NRC Guide, 2011). On 15 square feet, however, a pig cannot possibly exhibit normal behavior. No human of the same weight is expected to behave naturally in a 0.9m2 elevator, and certainly not for a period of five years. Second, despite widespread commitment to reduce and replace non-human animals in research, the number of non-human animals used for experimental purposes worldwide is now the same as it was in the 1980s (the number dropped in 1990s and 2000s, and is rising again ever since: Bayne et al., 2015; p.3, COM(2013) 859 final; Taylor et al., 2008; Taylor, 2013; Taylor and Rego, 2016). In quantitative terms, adopting the 3Rs has thus not lessened non-human animal suffering. Furthermore, states are reporting a rising number of research procedures done on non-human animals who are forced to endure the most severe experiments (e.g., NZZ, 2016).

At the same time, societal demands for better protection of non-human animals are more common than ever before (Eurobarometer, 2016). According to the most recent polls, citizens are increasingly concerned about the welfare of non-human animals used in research, and agree that more needs to be done to replace non-human animals in research (Gallup Poll, 2017, speaking of 74%; Clemence and Leaman, 2016; Pew Research Center, 2015; European Citizen’s Initiative “Stop Vivisection”, 2016). Although there are concerns about the potential of the 3Rs to lead to the ultimate replacement of non-human animals in research (see below), the 3Rs continue to be a popular policy tool for legislators and research facilities that use them as an example of their effort to ameliorate the suffering of non-human animals in research. The worldwide acceptance and simultaneous failure of the 3Rs seems to have turned the maxim – intentionally or not – into a means of whitewashing the images of scientists, research industries, and regulators vis-à-vis the public. In light of these developments, this chapter takes a functional comparative approach to scrutinizing how we can meet the rising societal demands for replacement. I specifically examine whether the 3Rs bear the potential of meeting this goal, and if so, what reforms are necessary, or whether the 3Rs should instead better be abrogated.

 

Tackling Concentrated Animal Agriculture in the Middle East through Standards of Investment, Export Credits, and Trade, 10 Middle Eastern Journal of Law and Governance 141-159 (2018) (peer reviewed)

Saudi Arabia, the United Arab Emirates, and Qatar are the main investors in farm animal production outside their territory, prompting a mass-adoption of concentrated animal feeding operations in investment-importing states like Iran and Pakistan. Global actors like the International Finance Corporation and the Food and Agriculture Organization espouse the Middle Eastern states’ investment strategy by generously supporting it with direct payments and feed. However, because intensified animal agricultural production systems are known to cause environmental pollution, threaten public health and food security, and pose a moral hazard for animals, this article makes use of existing cross-border relationships to the Middle East to counter the growing agricultural trend towards intensification. Specifically, the article examines whether and how international investment standards, export credit standards, bilateral investment treaties, and bilateral free trade agreements can be used to encourage responsible investment and trade flows that factor in the interests of animals.

 

Extraterritoriale Jurisdiktion und Tierarbeit – Perspektiven einer globalisierten Ethik, in: Jahrbuch Praktische Philosophie in globaler Perspektive Vol. 2: Schwerpunkt “Natur” als Bezugspunkt der prakischen Philosophie 305-338 (Michael Reder, Alexander Filipović, Dominik Finkelde & Johannes Wallacher eds.) (Verlag Karl Alber 2018) (peer reviewed)

Globalisierung interessiert uns in erster Linie, wenn mit ihr Vor- oder Nachteile für menschliche Gesellschaften verbunden sind, sei es preiswerte Produktion, Investmentdiversifizierung oder Umweltnutzung und -verschmutzung. Entsprechend polarisiert die fortschreitende globale Ausdehnung der Massentierhaltung, Tierversuchsforschung oder Unterhaltungsindustrie in der Politik auch weniger als es Themen wie Wirtschaft oder Finanzwachstum tun. Die Internationalisierung tierschutzrechtlicher Sachverhalte führt nicht nur zu deren territorialen Ausdehnung und Proliferation, sondern regelmäßig auch zu schwächeren Informationsflüssen und einer gesellschaftlichen Distanz zur Thematik. Gleichzeitig ist mit der zunehmenden Sensibilisierung der Bevölkerung für die Anliegen der Tiere aber auch das Bewusstsein für das globalisierte Tierleid gewachsen. Sowohl der Tierrechtsaktivismus wie auch die Tierethik haben bisher noch keine befriedigenden Antworten auf diese gegensätzlichen Entwicklungen und somit auf die globale Dimensionen unseres Umgangs mit den Tieren gefunden: Die Ethik beschränkt sich in ihren Analysen vorwiegend auf tierethische Herausforderungen auf nationaler Ebene und verpasst es dadurch, auf die weitverbreitete Auffassung zu reagieren, tierschutzrechtliche Reformen wären im Lichte drohender Auslagerungen untunlich, geradezu schädlich, sowohl für Menschen wie auch für Tiere. Der vorliegende Artikel argumentiert, dass die Rechtswissenschaft im Hinblick auf diese Fragen als Ort der Neuverhandlung wirken kann, indem sie den wachsenden Herausforderungen des globalisierten „animal-industrial complex“ mit innovativen Lösungsansätzen begegnet. Aus den vielfältigen Möglichkeiten, die die Rechtswissenschaft bereithält, stechen zwei neuartige Konzepte hervor: die extraterritoriale Anwendung nationalen Tierschutzrechts und die Forderung nach Arbeitnehmerrechten für Tiere. Beide Ansätze verstehen sich als Erweiterung etablierter Rechtskonzepte, setzen am bestehenden gesellschaftlichen Umgang mit Tieren an und haben das Potenzial, als zukunftsträchtige Diskurspunkte der Tierethik und -politik in globaler Perspektive aufzutreten.

 

Can Extraterritorial Jurisdiction Help Overcome Regulatory Gaps of Animal Law? Insights from Trophy Hunting, 111 American Journal of International Law Unbound 419-424 (2017)

Cross-border trade, industry outsourcing, and increased animal migration are becoming a pressing issue for numerous states and challenge our territorial conceptions of animal law to their core. Instead of proposing nations try to solve the problem by coming to agreement on low, and mostly ineffective standards, this article opens an unexplored and promising avenue for animal law: The extraterritorial protection of animals. At the example of trophy hunting, the article reveals the many established jurisdictional options that can help animal law overcome regulatory gaps, and showcases how animal matters can gain visibility on the international plane.

 

Nun sag, wie hast Du’s mit den Wildtieren? Zur Gretchenfrage im Umwelt- und Tierschutzrecht, 13 Tierstudien 56-69 (2018)

Das Tierschutzrecht ist ein aufstrebendes Rechtsgebiet, nicht nur im anglo-amerikanischen Rechtsraum, sondern weltweit. Der Fokus des Tierschutzrechts und der tierschutzrechtlichen Wissenschaft liegt auf „Heim- und Versuchstieren“ und vermehrt – jedoch immer noch marginal – auf „Nutztieren“. Im Vergleich dazu ist die Frage der Stellung der Wildtiere, also all jener Tiere, die nicht domestiziert sind, jedoch peripher . Man könnte einwenden, das Recht schere sich sehr wohl um Wildtiere, namentlich durch Maßnahmen zur Arterhaltung. Der Artenschutz als Domäne des Umweltrechts schützt jedoch einzig Tiergruppen als Kollektiv, nicht das Tier als Individuum . Auf den ersten Blick mag diese Unterscheidung lediglich semantischer Natur sein – so scheinen doch beide Ansätze die Tiere unter rechtlichen Schutz zu stellen, doch hat sie weitreichende Konsequenzen: Bildet der Schutz des individuellen Tieres bloß eine Reflexwirkung kraft Gruppenzugehörigkeit, kann ein Tier im Einzelfall zum anonymen Mitglied dieser Gruppe werden, dem rechtlich weder Lebensschutz, noch Schutz vor Qualen und Schmerzen zukommt . Zwischen Tierethikerinnen und Tierethikern auf der einen Seite, welche effektiveren Schutz empfindungsfähiger Wildtiere als Individuen fordern, und Umweltethikerinnen und Umweltethikern auf der anderen Seite, für welche der Schutz von Wildtieren als Kollektiv im Vordergrund steht, haben sich die Fronten aufgrund dieser unterschiedlichen Schutzkonzepte seit den 1980er Jahren verhärtet.

 

Zulässigkeit von Beschränkungen des Handels mit tierquälerisch hergestellten Pelzprodukten (together with Andreas Rüttimann & Vanessa Gerritsen), 15(2) TIERethik 56-85 (2017)

Beschreibung der VeröffentlichungDie üblichen Pelzgewinnungsmethoden stellen nach Maßstab des Schweizer Rechts klare Tierquälereien dar. Dennoch hat der Import von Pelzwaren in die Schweiz in den vergangenen Jahren wieder stark zugenommen. Auch die 2013 in Kraft getretene Pelzdeklarationsverordnung vermochte diesen Anstieg nicht aufzuhalten. Um zu verhindern, dass die Schweiz durch eine inländische Nachfrage tierquälerische Pelzproduktionsformen im Ausland fördert, sind daher griffigere Maßnahmen notwendig. In Betracht kommt hierfür insbesondere ein Verbot des Imports und Inverkehrbringens tierquälerisch erzeugter Pelzprodukte.
Aus rechtlicher Sicht stellt sich jedoch die Frage, ob ein solches Verbot mit den internationalen Handelsverpflichtungen der Schweiz vereinbar wäre. Tatsächlich verstieße dieses zwar gegen verschie- dene Bestimmungen sowohl des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) als auch mehrerer bilateraler Abkommen, die die Schweiz mit der EU und Drittstaaten geschlossen hat.

 

Tiere lebend essen: Tierschutzstrafrechtliche Analyse eines wachsenden Food-Trends, ex ante 5-18 (2017)

Der Verzehr lebender Tiere wird längst nicht mehr nur im südostasiatischen Raum angeboten, doch fehlt eine Aufarbeitung dieses Food-Trends im Schweizer Rechtsraum. Dieser Artikel stellt die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Empfindungsfähigkeit lebend gegessener Tiere vor und untersucht im Hauptteil, ob die schweizerische Tierschutzgesetzgebung diese strafrechtlich adäquat schützt.

 

Zulässigkeit von Beschränkungen des Handels mit tierquälerisch hergestellten Pelzprodukten 1-88 (together with Vanessa Gerritsen and Andreas Rüttimann) (Schriftenreihe Tier im Recht 2017)

Eine wirtschaftlich rentable Produktion von Pelzwaren ist zwangsläufig mit Haltungs- oder Jagdmethoden verbunden, die den betroffenen Tieren immenses Leid zufügen. Obschon die Schweizer Bevölkerung entsprechende Umgangsformen mit Tieren entschieden ablehnt und diese nach Massstab des eidgenössischen Rechts klare Tierquälereien darstellen, nimmt die Einfuhr von Pelzprodukten in die Schweiz seit mehreren Jahren massiv zu. Auch die 2013 eingeführte Pelzdeklarationsverordnung vermochte die Nachfrage nicht zu senken. Die Gründe hierfür werden im vorliegenden Gutachten ebenso untersucht wie die Notwendigkeit und Durchführbarkeit griffigerer Regelungen. Im Zentrum der Analyse steht dabei ein mögliches Verbot des Imports und/oder des Inverkehrbringens tierquälerisch hergestellter Pelzerzeugnisse. Es wird aufgezeigt, dass eine solche Massnahme zum Schutz der öffentlichen Sittlichkeit und der betroffenen Tiere dringend geboten ist und überdies mit den internationalen Handelsverpflichtungen der Schweiz vereinbar wäre.

 

The Extraterritorial Protection of Animals: Admissibility and Possibilities of the Application of National Animal Welfare Standards to Animals in Foreign Countries, 1-639 (University of Basel, Nov. 2016)

This research project is a dissertation at the intersection of international law and animal law. The thesis is embedded in the doctoral program “Law and Animals – Ethics at Crossroads” of the Law Faculty of the University of Basel. It is funded by the Swiss National Science Foundation (SNSF) through the prestigious Doc.CH grant. The thesis is supervised by Prof. Dr. iur. Anne Peters, University of Basel, and co-supervised by Prof. Dr. iur. Christine Kaufmann, University of Zurich, and, as a third member of the phD committee, by Dr. Gieri Bolliger, a global expert for animal law.

In light of the corporate multinational activity, corporate relocations, and the dispersion of production steps in the animal industry (agriculture, food, clothing, medical research, etc.) over various states’ territories, it is increasingly unclear which state is competent to regulate which production steps involving animal welfare. As the industry is remarkably mobile, states are sensitive to threats of corporate relocations. Moral and ethical convictions of one state’s population (e.g., the European public’s hostility to seal slaughter) might lead some states or regulatory entities to adopt stricter legal standards of animal welfare with extraterritorial effects. It is therefore important to study the limits which international law places on the nation states’ extraterritorial animal protection jurisdiction. Although states exercise extraterritorial jurisdiction in many fields of law (notably in competition, banking, and criminal law), it is largely unknown to what extent this is happening with regard to animal law. The thesis provides answers to the following research questions: What are the legal options under international law for a state to apply national animal welfare standards to animals situated in foreign countries? What is the specific content of animal welfare standards that might be imposed in an extraterritorial way?

 

An Assessment of Recent Trade Law Developments from an Animal Law Perspective: Trade Law as the Sheep in the Wolf’s Clothing? 22(2) Animal Law Review 277-310 (2016)

The further development of animal law seems lost in between global animal law, domestic law, and trade law. First, classical elements of global animal treaty law are limited to preservationist aspirations, insusceptible to the question of how animals are treated or how they cope with their environment. Second, animal welfare regulation is understood as a matter confined to national territories. In cross-border dialogue, animal matters have been reduced to allegations of imperialism, little conducive to furthering animal interests. Third, animals are regarded as commodified goods in international trade law, rendering their regulation an undesirable barrier to trade. The present deficiencies deprive global animal law of its significance as a dynamic instrument responsive to global challenges, be they ethical, environmental, economic, technological, or sociological in nature.
The objective of this paper is to demonstrate future ways out of this dilemma. Recent developments in trade law, observable at four examples of the World Trade Organization’s (WTO) “case law”, mark an important development for animal law. State objectives expressed through trade law are slowly moving away from anthropocentric considerations (i.e. geared to preserve a fraction of animals for human interests) towards sentio-centric animal welfare (i.e. aimed at minimizing animal suffering and focusing on animal interests). Thereby, the quality of animal law which ascended on the international plane through trade law exceeded the status quo of global animal treaty law. Although the WTO itself is an inherently inadequate forum to further animal interests, trade law bears considerable potential to catalyze more comprehensive developments in global animal treaty law, notably by focusing on individual sentient animals, their interests, and suffering.

 

Extraterritorialität im Bereich Wirtschaft und Menschenrechte: Extraterritoriale Rechtsanwendung und Gerichtsbarkeit in der Schweiz bei Menschenrechtsverletzungen durch transnationale Unternehmen, Swiss Center for Expertise in Human Rights (SCHR) 2016 1-110 (together with Christine Kaufmann, Christoph Good, and Sabrina Ghielmini)

Der Themenbereich Menschenrechte und Wirtschaft des SKMR wurde von der Abteilung menschliche Sicherheit des EDA (AMS), dem Bundesamt für Justiz (BJ) sowie vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) beauftragt, eine Grundlage für die Klärung der Frage der Extraterritorialität im Zusammenhang mit Menschenrechtsbeeinträchtigungen durch Schweizer Unternehmen im Ausland zu erarbeiten. Die Studie soll innerhalb des völkerrechtlichen Rahmens einen Überblick über die in der Schweiz vorhandenen extraterritorialen Mass-nahmen im Bereich Menschenrechte und Unternehmen geben. Darüber hinaus soll damit eine Grundlage für die Beantwortung der Frage geschaffen werden, wie die Schweiz im internationalen Vergleich steht und welche Handlungsoptionen für zukünftige Umsetzungsmassnahmen des Nationalen Aktionsplans zur Implementierung der UN-Leitsätze zu Wirtschaft und Menschenrechten bestehen.

 

Fundamental Rights for Primates: Policy Paper by Sentience Politics, Effective Altruism Foundation, April 2016 (together with Raffael Fasel, Adriano Mannino, and Tobias Baumann)

Nonhuman primates are highly complex beings, possessing an intrinsic, essential interest in living a life of bodily and mental integrity. However, current legal provisions worldwide hardly accommodate these interests. Therefore, nonhuman primates need to be protected by fundamental rights which guarantee that their essential interests are respected. In this position paper, we first propose a scientific and moral basis for such rights and subsequently give several arguments for why such rights are needed. We conclude by suggesting a number of ways to implement fundamental rights to life and physical as well as mental integrity for nonhuman primates.

 

The Potential and Potential Limits of International Law in Regulating Animal Matters, 3 Mid-Atlantic Journal on Law and Public Policy 10-55 (2015)

The increasing emergence of animal matters on the international plane and their newly gained prominence in public debates create hope that animals will truly find a meaningful place in our society as sentient beings with intrinsic interests. But far beyond hope, what can be done, legally, to push the development of more cogent legal rules on the human-animal relationship beyond illusionary hope, namely to a realistic expectation? This article approaches this question from an economic and an international law perspective. It first studies why the regulation of activities impacting on the welfare of animals is needed as a first step, drawing on arguments from regulatory theories. It then examines the existing international paradigms governing the human-animal relationship, as well as the benefits of international law vs. national law in regulating animal matters pro futuro, and subsequently assesses the potential of international law for the future development of animal law.

 

3R for Farmed Animals – A Legal Argument for Consistency, in Who’s Talking Now? Multispecies Relations Analysis from Humans and Animals’ Point of View 269-91 (Chiara Blanco and Bel Deering (eds.), Inter-Disciplinary Press, Oxford UK 2015)

The 3R principles, namely refinement, reduction and replacement, have evolved into the principal standard for the regulation of animals used in research. 3R now enjoy sweeping international recognition: they are accepted both by the public as well as by legislative authorities, and have led to remarkable successes for individual animal welfare. By contrast, regulatory achievements for farm animals are, strictly speaking, non-existent. Consequently, arguments for and against the existing discrimination are examined. The findings manifest that the manner of animal use currently determining the extent of legal regulation does not justify a legal discrimination between animals used for research and farm animals. Due to the internationally accepted imperative to avoid unnecessary suffering, whose nature is indiscriminate of the categorisation of research or farm animals, a duty to apply 3R to animals in farming emerges – a conclusion that suggests itself on grounds of consistency. First, refinement in farming requires elaborate rules on the breeding, raising, keeping, and slaughtering of farm animals are required. Refinement alone, however, proves to be critically inadequate to address the ethical, environmental, health, and poverty-related problems caused by current farming practices. Thus, it is analysed whether reduction methods are capable of foreclosing major implications. The principle of proportionality, which has evolved into an over-arching and self-perpetuating principle in most nations’ legislations and beyond, necessitates a diligent balance of interests in qualitative terms that stringently calls for replacement. A responsibility of this kind is argued to emanate from a significant number of states’ implementation of the avoidance of unnecessary animal suffering, as well as the international policy of the humane treatment of animals that are substantiated against this background.

 

3R for Farmed Animals – A Legal Argument for Consistency, 1 Global Journal of Animal Law 1-27, 2014

This article presents reasonable arguments for an extension of the 3R principles used in research to the regulation of farm animals. It aspires to expound the level of legal protection in the field of research and analyze whether these means of protection have contributed to a perceptible amelioration of animal welfare in the respective field. In the same course, it pays attention to exploring the reasons for the emergence of the 3Rs in research. The article then identifies the existing levels of protection in the field of farming and presents the differences of legal protection for animals in research and for animals in farming. This analysis forms the basis for exploring the reasonable possibility of applying the principles in research to the animals used for farming purposes and of establishing a common underlying legal maxim. Finally, the article exemplifies specific applications of the principle of 3R to farmed animals.

 

Stellungnahme zum Potenzial der Reduktion von Treibhausgasen, 2 Jusletter 1-7, May 2014

Der vorliegende Artikel ficht die Aussage an, dass der Bericht «Kosten und Potenzial der Reduktion von Treibhausgasen in der Schweiz» des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) eine „gesamtheitliche Betrachtung dieser Potenziale unter einheitlichen Annahmen sowie eine konsistente Beurteilung der jeweiligen Kosten“ darstellt. Der Entscheid, die Reduktionsmöglichkeit im Landwirtschaftssektor nicht als „Potenzial zur Reduktion von Treibhausgasen in der Schweiz“ mitzuberücksichtigen, hat sich erst vor dem Anspruch einer objektiven Wissenschaft zu rechtfertigen. Die bestehende Vernachlässigung verunmöglicht die Zielsetzung, eine im Vergleich zum Ausland erhöhte Reduktion zu erreichen und untergräbt die Glaubwürdigkeit des Vorhabens. In diesem Sinne sollte in der verfolgten Politik zumindest der Anreiz für eine freiwillige Reduktion der THG-Emissionen und für einen Umstieg auf Alternativen zu tierlichen Produkten gesetzt werden, dies im Einklang mit der festgelegten Aspiration „Reduktion der Klimaverschmutzung”.

 

Tagungsbericht ‘The Animal Turn and the Law’, TIERethik, May 2014 (together with Eberhart Theuer)

Dieser Bericht zeigt die aktuellsten Entwicklung der Tierrechtsdebatte anhand der Konferenz “The Animal Turn and the Law” auf, welche am 4-5 April 2014 in Basel stattfand.

 

Hope beyond Illusion: Global Animal Law, Verfassungsblog, On Matters Constitutional, April 2014

Why bother directing more attention to animals’ interests on a national level if the most relevant actors escape national regulation anyway? How are we to promote the development of animal issues in a constructive manner, given the cultural differences worldwide? This blog post expounds the many avenues of academics to these questions, presented at the Animal Turn and the Law Conference, held in Basel on April 4-5, 2014.